Lößniger Piazza – Raum für Gemeinschaft!

Konzeption eines nutzungsgemischten, inklusiven & vernetzenden Raums

Die Planung des neuen Quarties sieht einen zentralen Stadtplatz vor. Er bietet somit großes Potenzial für das öffentliche Leben und die Gemeinschaft im Quartier und soll zudem die gewerblichen Nutzungen konzentrieren.

Abbildung 1: Lößniger Piazza & geplante Nutzungsverteilung im Stadtquartier Lößniger Straße (Quelle: BUWOG, 10/2020).

Wir wollen diesen nun durch ein Nutzungskonzept mit Leben füllen! Dafür starten wir mit einer Analyse der Anforderungen, die an den Platz gestellt werden. Ziele einer Nutzungsmischung und einer partizipativen, vernetzten und inklusiven Gemeinschaft sind für uns dabei stets zentral. Ausgehend von den geplanten Funktionen könnt ihr dann, im zweiten Part, auf vier Skizzen die Übertragung des Konzeptes in den Raum sehen.

Anforderungen an die Lößniger Piazza

Um den Platz zu konzipieren, haben wir die gesamten bisher hier publizierten Artikel nochmal durchleuchtet und so Anforderungen an den Platz aus den Perspektiven der verschiedenen Studierendengruppen ermittelt.

Abbildung 2: Nutzungkonzept. Eigene Darstellung.

Räume für die Nachbarschaft

Wir haben in unseren zwei bereits veröffentlichten Artikeln „Wo sind die Menschen zwischen Südvorstadt und Südost? und „Nachbarschaft neu denken: Polarisierung durch Partizipation überwinden!“ die Bedeutung einer vernetzten Nachbarschaft herausgestellt. Partizipationsmöglichkeiten an der Mit- und Ausgestaltung des Lebensumfeldes werden auch durch die bebauten Strukturen bedeutend beeinflusst. Wie im zweiten Artikel vorgeschlagen, sollen daher ein Nachbarschaftszentrum, eine gemeinnützige Reparaturwerkstatt und ein Bürger*innen-Büro entstehen. So werden für Alle zugängliche Räume für selbst-organisierte Projekte und Vernetzung geschaffen und durch das Bürger*innen-Büro Kommunikationswege zu Stadt- und Hausverwaltung gestärkt.

Im Artikel „Ein optimaler Nutzungsmix im Quartier – Aktivitäten für Alle“ wurden ein „Veranstaltungsort für Theater, Tanz und Kino“ und eine Kunsthalle vorgeschlagen. Dem folgend, wollen wir eine „Kulturarena“ auf dem Platz verankern, die durch eine entsprechende Innenarchitektur verschiedene solcher Formate ermöglicht. Auch soll die Kulturarena Räume für die Nachbarschaft bieten: Platz für Theater- und Musikproben, Malerei und Weiteres. Eine enge Vernetzung mit dem Nachbarschaftszentrum wäre sinnvoll. Ebenfalls dem Vorschlag der Kommiliton*innen folgend, wollen wir eine Fläche für legales Graffiti schaffen.

Öffentliche Plätze und Verkehrswege

Im Artikel „Quartier Lößniger Straße – Mobilität von gestern?“ hat sich eine andere Studierendengruppe mit den Anforderungen an den Verkehr und die Gestaltung der öffentlichen Plätze im neuen Quartier beschäftigt. Sie stellte massive bestehende Defizite hinsichtlich der Räume für Fußgänger*innen und Radfahrende im umliegenden Gebiet heraus. Auch Infrastruktur zum Verweilen, wie beispielsweise Sitzbänke und Tische gibt es aktuell selten. Weiterhin sollte der neue öffentliche Platz laut den Kommiliton*innen Orte für Alltagsbegegnungen schaffen, beispielsweise durch Spielgeräte, und barrierefrei sein.

Bezüglich des nicht-motorisierten Verkehrs wurde die Bedeutung der neuen Hauptachsen betont, insbesondere der neuen Querverbindung zwischen der Südvorstadt und Südost, die von der Tarostraße kommend über die Lößniger Piazza führen soll. Wir möchten zudem mit einem gemeinnützigen Lastenrad-Verleih, das in unsere geplante Reparaturwerkstatt integriert werden kann, weitere Alternativen zum Auto schaffen. Ausreichend Abstellmöglichkeiten für Räder sind ebenfalls notwendig.

Abbildung 3: Lastenradgemeinschaft in Oldenburg (Abruf: 24.01.2021).

Einkaufen und Gastronomie

Die Studierendengruppe hinter dem Artikel „Ein optimaler Nutzungsmix im Quartier – Aktivitäten für Alle“ hat den Standort hinsichtlich der Bedarfe für Lebensmittelgeschäfte, Einzelhandel und Gastronomie analysiert. Die Ergebnisse: Eher ein Café statt abendlichem Ausgehen, großes Potenzial für den Einzelhandel und der Bedarf eines Lebensmittelgeschäftes. Letzteres wollen wir als kleineren Eckladen übernehmen und mit einem „Späti“ verknüpfen, möglicherweise durch die selben Inhaber*innen geführt. Den Einzelhandel werden wir durch zwei Läden berücksichtigen. Über diesen sollen Werkstattflächen für die Produktion die Voraussetzungen für einen inhabergeführten und handwerklich oder künstlerisch orientierten Einzelhandel schaffen. Zuletzt fänden wir einen kleinen Wochenmarkt auf dem Platz schön, der ein oder zwei Mal die Woche regionales Obst und Gemüse ins Quartier bringt. Dafür sollen kleine Flächen für Stände auf dem Piazza genutzt werden können.

Abbildung 4: Wochenmarkt in Köln (Abruf: 23.01.2021).

Integrierte ökologische Gestaltung

Die Bedeutung der klima- und umweltgerechten Gestaltung wurde in „Natur – Hier & Jetzt“ herausgestellt. Beiträge für Biodiversität und Stadtklima können dabei nicht nur im direkt angrenzenden Stadtpark geschaffen werden. Auch die Bebauung und der öffentliche Platz können wichtige ökologische Funktionen fördern: Dach-, Stadtmobiliar- und Fassadenbegrünung, Straßenbäume, Wildblumen und Hochbeete sind sinnvolle und notwendige Beiträge. Im Stadraum lebende Tiere und Pflanzen sollten bei der Auswahl der Bepflanzung und Grüngestaltung berücksichtigt werden.

Abbildung 5: Gemüseanbau auf dem Dach (Abruf: 23.01.2021).

Flexible & vernetzende Architektur

Die Architektur der angrenzenden Gebäude sollte kleinteilige Nutzungen unterstützen und flexibel für Nachfolgenutzungen bleiben. Eine Verzahnung der verschiedenen Nutzungen im Quartier muss zudem insbesondere auch durch die baulichen Strukturen befördert werden. Die beschriebene räumliche Verknüpfung von übereinander liegender Produktionswerkstatt und Ladenfläche oder die Durchgänge zwischen Reparaturwerkstatt und Nachbarschaftszentrum sind dafür gute Beispiele. Die Außengestaltung der Gebäude der sozialen und kulturellen Einrichtungen sollte zudem Öffentlichkeit ausstrahlen. Zuletzt erscheint eine Nutzung der Dächer gewinnbringend: durch die angesprochene Begrünung inklusive Hochbeete, die Integration von Tischtennisplatten und den Aufbau von Solaranlagen.

Räumliches Nutzungskonzept

Die abgeleiteten Anforderungen wollen wir nun in die Fläche bringen. Zur Veranschaulichung haben wir vier Skizzen entworfen: eine Eingliederung des Platzes in die Infrastruktur der Umgebung, das Nutzungskonzept für die Piazza sowie zwei Detailpläne für die zwei zentralen Einrichtungen des sozialen und kulturellen Lebens: das Nachbarschaftszentrum und die Kulturarena.

Wegeverbindungen

Starten wir mit den Verbindungen der Piazza in das neue Quartier und die Umgebung. Wir haben den Platz als autofreie Zone konzipiert, um den Raum für Fußgänger*innen und Radfahrende sowie für direkte soziale Begegnungen zu stärken. Ein verkehrsberuhigter Bereich an der Südseite (siehe Abb. 6) dient lediglich als Erschließung für notwendige Fahrten, beispielsweise Rettungseinsätze. Parkplätze gibt es nicht. Der Platz ist, bis auf die Radverkehrsachse, den Fußgänger*innen vorbehalten. Der Radweg verläuft in beide Richtungen an der Nordseite des Platzes, von der Lößniger Straße diagonal auf die neue Querung der S-Bahn hin (siehe Abb. 6). So kann das neue Quartier auf autarken Radwegen durchquert werden und eine schnelle Verbindung zwischen der Südvorstadt und dem Zentrum-Südost herstellen.

Die maßgebliche Erschließung für den Autoverkehr ergibt sich durch die Planung jeweils miteinander verbundener Tiefgaragen der einzelnen Gebäude. Auch der Anlieferungsverkehr für den Handel kann darüber erfolgen. Die Zufahrt für die Tiefgaragen liegt in der südlichen Zufahrtsstraße zur Piazza (siehe Abb. 6), die zwischen der Zufahrt und der Hauptachse Kurt-Eisner-Straße regulär für den Autoverkehr freigegeben ist. Die im Westen angrenzende Lößniger Straße ermöglicht ebenfalls eine nahe liegende Anfahrt.

Abbildung 6: Verkehrswege im neuen Quartier. Eigene Darstellung.

Nutzungsplan für die Piazza

Das Zentrum der Piazza soll vor allem als Treffpunkt für die Bewohner*innen der angrenzenden Nachbarschaft fungieren und dabei die Bedürfnisse mehrerer Generationen abdecken: Es gibt einen kleinen Spielplatz für Kinder, Tischtennisplatten, Sitzbänke und Tische (siehe Abb. 7). Diese können auch als Rückzugsort für Arbeitende aus den umliegenden Büros in der Mittagspause dienen. Gesäumt ist der Platz von Bäumen, die eine räumliche Abtrennung zum Rest des Platzes erzeugen, an heißen Sommertagen Schatten spenden und zur Verbesserung des Stadtklimas beitragen. Zwischen ihnen ist auch Platz für Stände des angesprochenen Wochenmarkts. In der Mitte der langen Bank an der Ostseite und in den Hochbeeten entlang der Gehwege an der Südseite können Wildblumen gepflanzt werden (siehe Abb. 7).

Umliegende Einrichtungen und Läden

Das Nachbarschaftszentrum wird an der Nordseite, genau an der Schnittstelle zwischen Park und Piazza, Platz finden. Direkt daneben die Reparaturwerkstatt – sie könnte gemeinsam mit dem Zentrum organisiert werden. Sie liegt zudem mit ihrem Lastenradverleih auch direkt neben der Radachse. Die Kulturarena wird im einzigen, großen Gebäude an der Südseite zu finden sein (siehe Abb. 7). Die sich davor befindliche Fußgänger*innen-Zone kann gegebenenfalls für bestimmte Veranstaltungen mitgenutzt werden. Sowohl zum Nachbarschaftszentrum als auch zur Kulturarena später mehr.

Abbildung 7: Nutzungskonzept Lößniger Piazza. Eigene Darstellung. (Auf das Bild klicken für größere Darstellung!)

Zur Lebensmittelversorgung steht, wie in den Anforderungen beschrieben, ein kleiner Supermarkt mit dazugehörigem „Späti“ zur Verfügung. Beide sind an der Ostseite des Platzes positioniert (siehe Abb. 7); der Supermarkt als Eckladen gestaltet. Vor ihnen die Mehrzahl der Fahrradbügel. Auch die Gastronomie findet auf der Piazza ihren Platz: Neben dem Bistro an der Westseite gibt es ein kleines Café mit Freisitz an der Ostseite. Die weiteren Gewerbeflächen, zu finden an der Nordseite, sind an inhabergeführten Einzelhandel vermietet, die jeweils eine Werkstatt im Obergeschoss haben werden. So besteht die Möglichkeit für lokale Handwerker*innen oder Künstler*innen, ihre Produkte zu produzieren und im Untergeschoss direkt zu vertreiben.

Damit die Anwohner*innen Pakete verschicken können, dafür aber nicht unbedingt Gewerbefläche für ein Postamt genutzt werden muss, gibt es eine Paketstation. Eine kleine Besonderheit der Piazza sind außerdem die Info-Tafeln, die über die Geschichte und ehemalige Nutzungen des Ortes informieren. So wird eine Verknüpfung zur Vergangenheit hergestellt, die schnell durch den Abriss alter Gebäude und der Neugestaltung der Piazza in Vergessenheit gerät. Sie sind unter anderem an der Ostwand des Bistros zu finden. Eine Fassade am Stadtteilpark ist als öffentliche Graffiti-Wall ausgewiesen, direkt über dem Nachbarschaftszentrum. So haben lokale Künstler*innen die Möglichkeit, sich an dieser zu verewigen und an der Gestaltung der Nachbarschaft mitzuwirken.

Das Nachbarschaftszentrum: Raum für Gemeinschaft

Nun mehr zu unserem Nachbarschaftszentrum. Mit diesem möchten wir gerne einen für Alle zugänglichen Ort des Miteinanders und der Gemeinschaft gestalten. Hier und in der angrenzenden selbsorganisierten Reparaturwerkstatt können ehrenamtlich Tätige und wenige Angestellte das soziale Leben koordinieren und gemeinschaftliche Angebote initiieren. Die Strukturen sollen so gestaltet sein, dass Alle, die mögen, jederzeit eigene Projekte einbringen können. Zudem soll das Bürger*innen-Büro innerhalb des Nachbarschaftszentrums den Austausch mit Haus- und Stadtverwaltungen fördern.

Abbildung 8: Nachbarschaftscafe in Lüneburg (Abruf: 22.01.2021).

Um die Offenheit des Raumes zu unterstreichen, haben wir uns für eine entsprechende Gestaltung entschieden: offene Fensterfronten, Außenbereiche zu Park und Piazza hin, viel Platz für gemeinschaftliche Zeit und Projekte, eine offene Küche und, im 1. OG, Räume ohne zugewiesene Funktion, die selbsorganisiert genutzt werden können. Durch die offene Küche bieten sich insbesondere Cafés und Kochabende für die Gemeinschaft an. Für die entsprechenden Zutaten kann durch den Anbau von Obst und Gemüse in zugehörigen Hochbeeten gesorgt werden. Diese finden sowohl auf dem Dach des Nachbarschaftszentrums als auch im angrenzenden Park Platz. Gerade im Sommer können hierfür die Sitzgelegenheiten im Außenbereich genutzt werden.

Abbildung 9: Detailplan des Nachbarschaftszentrums, Erdgeschoss. Eigene Darstellung.

Die Kulturarena: Vielfältige Angebote und Ort des Ausprobierens

Die Kulturarena nimmt drei Etagen ein, von denen das Erdgeschoss zweifelsohne das Herzstück ist. Hier soll ein großer Raum Platz für verschiedenste kulturelle Veranstaltungsformate bieten. In den oberen Etagen besteht, ähnlich dem Nachbarschaftszentrum, Raum für selbstorganisierte Projekte wie beispielsweise Theater- und Musikproben.

Obwohl er direkt von der Straße aus zugänglich ist, ist dieser riesige Raum mit schalldichten Wänden ausgestattet. Nur die Westfassade ist davon ausgelassen. Dort ersetzen Schiebefenster die dicken Wände, sodass ein Publikum an sonnigen Tagen für eine Veranstaltung die angrenzenden Grünflächen einbeziehen kann. Im Erdgeschoss können Künstler*innen für verschiedenste Formate zusammenarbeiten. Nur herausnehmbare oder modulare Möbel gestalten den Raum. Sie können jederzeit bewegt oder zusammengeklappt werden (z.B. die Tische, die sich an die Wände klappen lassen, die herausfahrbare Bühne oder eine ausfahrbare Leinwand). Die Stühle werden von den Anwohner*innen gespendet. Dies setzt, basierend auf einem Konzept des Teilens, auf persönliche Identifikation.

Abbildung 11: Detailplan der Kulturarena, Erdgeschoss. Eigene Darstellung.

Ohne echte Räume ist die erste Etage nach dem gleichen Prinzip gestaltet. Allerdings lagern leicht demontierbare „Blöcke“ das Mobiliar (z.B. Schlagzeug) und verschiebbare Wände können unterschiedliche Raumkombinationen eröffnen. Zudem gibt es eine Garderobe und sanitäre Anlagen.

Ausblick

Wir sind zuversichtlich, dass unsere Konzeption des Platzes die Räume eröffnet, die das neue Quartier zusätzlich zu seinen klassischen Funktionen des Wohnens und Arbeitens noch braucht: Räume für eine vernetzte Nachbarschaft und Gemeinschaft, für kulturelles Angebot und für selbstorganisierte Anliegen. Und nicht nur für Bewohner*innen des neuen Quartiers, auch für die größere Umgebung kann der Platz zu einem zentralen Ort werden: durch seine verkehrliche Erreichbarkeit und die Nähe zum Park, die Kulturarena sowie die Einkaufs- und Gastronomieangebote.

Wir würden uns wünschen, dass einige dieser Ideen in den realen Entwicklungsprozess finden. Letztendlich aber bleibt zu sagen, dass bei einem solchem Projekt eine breite, repräsentative Beteiligung einer solchen Konzeption vorausgehen muss. Ein Mitwirken an der Ausgestaltung eines Raumes schafft eine stärkere persönliche Identifikation mit diesem und somit bessere Voraussetzungen für eine nachbarschaftliche Aneignung.

Abbildung 12: Nachbarschaftsfest (Abruf: 08.02.2021).

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