Wohnen im Grünen, Leben in der Stadt

Konzept zur Entwicklung eines nachhaltigen, lebenswerten und bunten Quartiers im Leipziger Südosten

Übersicht EG-Nutzung Gewerbe
Übersicht EG-Nutzung Gewerbe M 1:500, © selbsterstellt

Recht auf Stadt als Recht auf ein erneuertes nachhaltiges urbanes Leben.

Rasch steigende Bevölkerungszahlen gehen oft mit Qualitätseinbußen des Urbanisierungsprozesses einher. Mit diesem Konzept möchten wir den Bewohnern ein ausgeglichenes und nachhaltiges Leben ermöglichen, indem wir Innovation durch Gemeinschaft und ein umweltbewusstes Leben fördern.

Besonders nachhaltige Themen sind uns bei der Gestaltung wichtig. Ein zentraler Punkt ist die Co-Existenz von urbanem Leben und der Natur. Gemischte Raumnutzungen sind auf einer Piazza der wichtigste Aspekt für eine erfolgreiche Gestaltung des öffentlichen Lebens. Zudem sind viele alltägliche Nutzungen zentral verankert, um den Alltag durch kurze Wege zu erleichtern. Ziel ist es, die Gemeinschaft zusammenzubringen und die soziale Interaktion zu fördern.

A: Piazza – Platz der Begegnung

Die zentrale Freifläche in der Mitte des Areals gestalten wir als einen urbanen Aufenthaltsort, welcher eine kleine Naturoase inmitten der Stadt darstellen soll. Sitz- und Liegemöglichkeiten sollen durch Bänke und Liegen aus Holz geschaffen werden. 

Wasser stellt für die Menschen in ihrem hektischen Arbeitsalltag oft eine beruhigende Wirkung dar. Aus diesem Grund integrieren wir auf der Piazza einen organisch geformten und mit Seerosen bepflanzten Teich. Zum einen stellen Wasserflächen eine Wärmeausgleichsfunktion dar und erhöhen die Luftfeuchte, zum anderen dienen sie als Lebensraum für viele Organismen und Pflanzen. Der Teich wird von heimischen Sträuchern und anderen niedrigwüchsigen Pflanzen umrandet sein.

Skizzen zur Gestaltung der Piazza M 1:333
Skizzen zur Gestaltung der Piazza M 1:333
Skizzen zur Gestaltung der Piazza M 1:333, © selbsterstellt

An den Rändern des Platzes werden verschiedene Arten von Bäumen angepflanzt. Dafür besonders geeignet sind die Scharlachkirsche und der Spitzahorn. Sie besitzen kein tiefes und verzweigtes Wurzelwerk, wodurch wir keinen Aufbruch des Bodens riskieren. Zudem überzeugen diese Baumarten durch ihre hohe Winter- und Klimaresistenz. Die Kirsche blüht im Sommer in prächtigen Farben und lockert somit den modernen und geradlinigen Charakter des Areals auf.

Details

In den Bäumen werden Vogelhäuser angebracht. Sie dienen als Unterschlupf und zur Fortpflanzung von Vögeln und für die Menschen gibt es einiges zu beobachten. Es ist wichtig darauf zu achten, dass die Vögel im Sommer nicht gefüttert werden. Hier kann die gegenüberliegende Grundschule wieder mitwirken und für die Erhaltung der Vogelhäuser sorgen.

Außerdem statten wir den Platz mit weiteren Details aus. Nach dem Motto „Farbe bringt Freude“ integrieren wir bunte Pflastersteine, die eine Auflockerung und Akzentuierung darstellen und eine gut sichtbare Abgrenzung sind. Ergänzend schaffen wir in unserem Konzept ein Bodenleitsystem, welches sehbehinderten Menschen eine Orientierung auf dem Platz bieten soll.

Des Weiteren möchten wir das Areal mit solarbetriebenen Straßenlaternen beleuchten, welche ein warmes Licht spenden und nur nach unten ausstrahlen, um die Bewohner nachts nicht durch eine zu helle Beleuchtung zu stören.

Vor den zum Platz exponierten Häusern wollen wir einen überdachten Gehweg, in der Form von Arkaden, mit Hilfe von begrünten Überdachungskonstruktionen errichten. Diese sollen als Lärm-, Sicht– und Wetterschutz dienen.

B: Block 3 – Grundversorgung

Übersicht Block 3
Übersicht Block 3, © selbsterstellt

Block 3 stellt die längste Fassade zum Platz dar und bietet die größte Gewerbefläche. Die direkte Zufahrt ist über die Lößniger Straße möglich und zu Fuß erreicht man den Block aus Richtung des Parks und Spielplatzes.

Auf dieser Ecke befindet sich in unserem Konzept eine Filiale eines lokalen, traditionellen Bäckers. Mit Hilfe einer angemessenen Kalkulation der benötigten täglichen Mengen möchten wir eine Massenproduktion und die Verschwendung von Backwaren verhindern. Oft sind Bäcker verpflichtet, ein großes Warenangebot auch noch kurz vor Ladenschluss zu haben. Doch bei unserem Bäcker gilt das Motto: „Was alle ist, ist alle“. Sollte man sein Brot erst abends abholen können, kann man es zuvor online reservieren.

Neben dem Bäcker wird es einen kleinen Floristen geben. Dieser kooperiert auch zusammen mit der naheliegenden Grundschule und unterstützt diese im Rahmen des „Schulgarten-Unterrichts“ bei der Bepflanzung und Pflege der Hochbeete.

Supermarkt

Der Supermarkt in Block 3 soll in diesem Konzept die Basisprodukte des alltäglichen Gebrauchs und zusätzlich eine regionale Ecke mit frischem Obst und Gemüse zur Verfügung stellen. Außerdem gibt es einen Bereich mit unverpackten Lebensmitteln, um den Anwohnern die Chance zu geben, in ihrer Wohnnähe, lokal und unverpackt einkaufen zu können.

Oft wird in Supermärkten zu den Produkten auf Augenhöhe in den Regalen gegriffen. Deshalb ordnen wir auf dieser Höhe stets Bioprodukte an, um die Aufmerksamkeit auf Lebensmittel aus ökologischer Landwirtschaft zu lenken. Um den Supermarkt mit natürlichem Licht zu beleuchten, wird im Bereich der Obst- und Gemüseabteilung  die Betonfassade durch eine Glaswand unterbrochen, um die Sicht nach außen zu ermöglichen. Die Glasfassade geht dann wieder in eine Betonfassade über, vor der Fahrradständer platziert werden. Diese Fassade soll zusätzlich begrünt werden.

Skizze zur Fassadengestaltung der Obst- und Gemüseabteilung
Skizze zur Fassadengestaltung der Obst- und Gemüseabteilung, © selbsterstellt

Die Zulieferung der Läden erfolgt über die Tiefgarage, um den Lärm zu minimieren.

Auf der Ecke Richtung Lößniger Straße befindet sich das Quartiersbüro, welches über eine große Lobby zu erreichen ist. Bei allen Fragen und Problemen rund um das Thema „Wohnen im Quartier“ können sich die Bewohner an die Mitarbeiter des Büros wenden. Die Lobby führt gleichzeitig zum Treppenhaus des Wohnhauses und stellt durch in die Wand integrierte Sitznischen und große Zimmerpflanzen einen Begegnungsraum für die Bewohner dar.

Skizze zur Gestaltung der Lobby/Quartiersbüro
Skizze zur Gestaltung der Lobby/Quartiersbüro M 1:100, © selbsterstellt

C: Block 4 – Scharfer Genuss

Übersicht Block 4
Übersicht Block 4, © selbsterstellt

Im östlichen Block 4, welcher an die Piazza grenzt, wird ein mexikanisches Restaurant eröffnen. 

Dieses wird sich am Open Kitchen Konzept orientieren, sodass die Gäste bei der Zubereitung ihrer Speisen zusehen können. Es werden weitestgehend saisonale Produkte verwendet, welche von regionalen Anbietern bezogen werden. Zudem besteht die Möglichkeit, Koch-Workshops für jede Altersklasse anzubieten.

Direkt daneben entsteht eine Kombination aus Drogerie und Apotheke, die den täglichen Bedarf an Hygieneartikeln deckt, aber auch die medizinische Versorgung sicherstellt.

D: Block 7 – Schaffung einer angenehmen Arbeitsatmosphäre

Übersicht Block 7
Übersicht Block 7, © selbsterstellt

Block 7 wird in unserem Konzept eine Arbeitsplatzmöglichkeit mit einem Begegnungsort in Form eines Coworking Spaces vereinen. Offen gestaltete Büros bieten sowohl Quartiersbewohnern, als auch Externen die Möglichkeit des Zusammenarbeitens. Dies fördert die Kommunikation zwischen verschiedenen Disziplinen und unterstützt die Entwicklung gemeinsamer Projekte. Außerdem soll die Möglichkeit für Veranstaltungen und Meetings in den Räumlichkeiten bestehen.

Aus Umweltschutzgründen sollen technische Geräte, wie Drucker und Scanner, gemeinsam genutzt werden. Ein Teil der benötigten Energie wird aus den auf dem Dach installierten Solarzellen bezogen.

Tariflich werden Bewohner des Quartiers weniger als Externe für die Nutzung zahlen. Damit wollen wir eine höhere nachbarschaftliche Zusammenarbeit bezwecken und Bewohnern die Möglichkeit bieten, auch abseits ihrer Wohnung im Homeoffice zu arbeiten, ohne dabei lange Wege auf sich nehmen zu müssen.

Zusätzlich wird es am Eingang ein Book Sharing Regal geben, um den Austausch zu fördern. Jeder ist dazu eingeladen, nicht mehr benötigte Bücher hineinzustellen und sich andere herauszunehmen. Hochbeete an der Hauswand sollen das Areal vor dem Co-Working-Space auflockern und im Sommer viel Farbe ausstrahlen.

Beispiel für Hochbeete
Beispiel für Hochbeete, © Rombergs

Café

Ein Café neben dem Coworking Space bietet die Möglichkeit, entspannt die Mittagspause zu verbringen oder sich am Nachmittag mit Freunden zu treffen. Ein Freisitz, der in den Innenhof des Gebäudes ragt, soll mit Liegestühlen und weiteren Sitzmöglichkeiten ausgestattet sein. Eine große Glasfassade bietet im Winter den nötigen Schutz vor Kälte und kann im Sommer komplett zum Freisitz hin geöffnet werden.

Dank der Mitwirkmöglichkeiten für Bewohner, bspw. bei Backrezepten, reicht die Auswahl von veganen bis hin zu glutenfreien Speisen und Getränken. Zudem soll es im Sommer eine kleine Eistheke mit Bio-Eis geben. 

Beispiel für grünen Freisitz
Beispiel für grünen Freisitz, © schönesLeben

Sowohl der Supermarkt, das Restaurant, als auch das Café arbeiten mit „To Good To Go“ zusammen. Dies ist eine App, worüber Kunden meist kurz vor Ladenschluss, Essen zu einem günstigen Preis erwerben können. Die Produkte würden sich nicht mehr verkaufen, sind aber auch zu schade, um einfach weggeschmissen zu werden. 

Auch eine Zusammenarbeit mit der Tafel in Leipzig ist angedacht.

E: Freifläche – Freizeitgestaltung

Die Freifläche, welche sich nordöstlich der Piazza anschließt und an den Spielplatz grenzt, wird in diesem Konzept als Multifunktionsplatz genutzt. Älteren Kindern muss durch steigende Online-Spielangebote eine neue aufregende Spielausstattung geboten werden. Dies wird durch einen Mehrzweck-Spielplatz mit verschiedenen Nutzungsmöglichkeiten (Volleyball, Fußball, Rutschen, Skaten, Bouldern) umgesetzt. Durch integrierte Sitzmöglichkeiten fördern wir zusätzlich die Interaktion zwischen Jung und Alt und verschiedenen sozialen und kulturellen Gruppen.

Ein Tartan-Boden auf der Spielfläche soll das Verletzungsrisiko minimieren. Die begrünten Flächen daneben laden zum Picknicken und Verweilen ein. Der Platz bietet zudem eine Fläche für öffentliche Sport- und Freizeitangebote. An den Rändern der kleinen Wiese werden Insektenhotels aufgestellt. Dieses geben vielen nützlichen Insekten die Möglichkeit zum Nisten und Überwintern. Sie leisten einen wichtigen Beitrag zum Bestäuben von Blumen und bei der Schädlingsbekämpfung.

Dazu soll es auf der Fläche einen frei zugänglichen Barfußpfad geben, welcher auch von der Grundschule und KiTa zu Lernzwecken genutzt werden kann. Barfußlaufen fördert die motorische und sensorische Sensibilisierung, stärkt das Immunsystem und fördert die Durchblutung. Geplant sind Informationstafeln, die die Vorteile und gesundheitlichen Aspekte des Barfußlaufens kurz erklären.

Eingänge und Treppenhäuser

Die Eingänge zu den Wohnungen können teilweise von der Piazza aus, aber auch über die Innenhöfe erreicht werden. Besonders wird auf die Breite der Türen und Fahrstühle geachtet, damit Kinderwagen und Fahrräder mühelos mit in die Wohnung genommen werden können. Außerdem soll der Zutritt ebenerdig barrierefrei gestaltet werden.

Beispiel für die Eingangsbereiche
Beispiel für die Eingangsbereiche, © Fensterversand.com

Aus Sicherheitsgründen sollen nur Bewohner Zugang zum Wohnhaus haben und beispielsweise durch einen individuellen Zahlencode die Türen öffnen können. Postboten verfügen über einen Generalschlüssel um die Briefkästen im Eingangsbereich auch ohne Klingeln zu erreichen. Angedacht sind zweiläufige Treppen mit einem Fahrstuhl, welcher sich mittig befindet. Zudem wird es sowohl im Innenhof, als auch im UG videoüberwachte Fahrradabstellmöglichkeiten geben.

Skizze zur Gestaltung der Eingangsbereiche und Treppenhäuser
Skizze zur Gestaltung der Eingangsbereiche und Treppenhäuser M 1:50, © selbsterstellt

Begrünte Dächer und Fassaden

Wohngebiete sind oft nächtliche Wärmeinseln. Am Tag heizen sich die Gebäude stark auf und geben diese Wärme in der Nacht an die Umgebung ab. Durch begrünte Dächer und Fassaden wollen wir der Überwärmung innerstädtischer Gebiete entgegenwirken. Um den Putz durch Begrünung nicht zu beschädigen werden Stahlseile genutzt, an denen das Grün ranken kann.

Bespiel für begrünte Fassade
Bespiel für begrünte Fassade, © Hamburg.de

Des Weiteren kann man durch eine helle Farbgestaltung der Fassaden die Erwärmung der sonnenexponierten Oberflächen verringern, da diese das Sonnenlicht reflektieren. Bei zu starker Erwärmung und Abkühlung ist die Fassade stark durch Spannungen beansprucht und es können Schäden am Putz entstehen.

Um im Winter die Wärme zu halten ist es zudem wichtig, auf eine gute Wärmedämmung zu achten.

Ein neues Zuhause

Die Piazza und ihre angrenzenden Gebäude sind Handlungsraum verschiedener Akteure mit unterschiedlichen Nutzungsansprüchen. Unser Konzept stellt einen öffentlichen Raum dar, der neben den alltäglichen Nutzungen auch Platz für ein gemütliches Beisammensein und Erholung bietet.

Wir schaffen ein soziales Umfeld, welches von Diversität und Komfortabilität geprägt ist, denn entscheidend für lebenswerte Städte ist eine nachhaltige Stadtgestaltung und Orte, an denen die Stadtgesellschaft kommuniziert. So entsteht aus einer Brache ein vielseitig nutzbares Gebiet. Wichtige Aspekte wie Umweltschutz, Nachhaltigkeit, Freizeitgestaltung, grüne Bebauung, Wohnlichkeit und Erreichbarkeit werden im Konzept umgesetzt.

Wir gestalten ein Zuhause. Ein Zuhause für Menschen, ihre alltäglichen Bedürfnisse und einen Ort, an dem man ankommt, willkommen ist und sich wohlfühlt.

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